Auf dem Weg zum Nagoya Castle zog die große Parade zum diesjährigen Herbst-Festival an uns vorbei. Zu sehen waren, ähnlich wie in Nagasaki, wieder festlich geschmückte Paradewagen aus Holz die unter Trommelmusik durch traditionell gekleidete Männer gezogen wurden. Ein Highlight der alljährlichen herbstlichen Feierlichkeiten, bei denen der Tradition und Vergangenheit erinnert wird. Die Bevölkerung fand’s toll und stand teilweise in mehrfachen Reihen an der Straße und jubelte den Teilnehmern zu. Typisch Japan, der Autoverkehr war auf der Hauptparadestrecke zwar gesperrt, die wichtigsten Kreuzungen waren jedoch zeitweise, zwischen einzelnen Fußgruppen für eine Überfahrt freigegeben. Und wer glaubt, die Sperrungen würden in einer 3,5 Millionen Einwohner Stadt zu einem Verkehrskollaps führen (man denke nur mal an den Berlinmarathon), der irrt gewaltig. Keine größeren Engpässe. Einzig die direkt an der Strecke liegenden Zugänge zu der U-Bahn waren gesperrt und ein kleinerer Umweg entsprechend notwendig. Leider verfällt Japan langsam auch in Angst vor Terrorismus. Ob innerer oder äußerer, konnten wir leider nicht herausfinden.

Zur Feier des Festivals waren heute alle Sehenswürdigkeiten kostenlos zugänglich. Über die enstprechenden Menschenmassen konnte man da schon hinwegsehen 😉 Wahrscheinlich aber immer noch kein Vergleich zur „Goldenen Woche“, eine der Hauptreisezeiten der Japaner, da sich hier viele Feiertage quasi bündeln und alle versuchen entsprechend dazwischen frei zu nehmen. Sei’s drum, es gab dann doch auch im Park der Nagoya Burg ruhige Flecken, um die japanische Gartenkunst zu genießen.
Nagoya wurde im 16. Jahrhundert als typische Burgstadt gegründet. Die Burganlage ist ein gutes Beispiel frühjapanischer Burgarchitektur. Im Mittelpunkt steht hierbei der „Donjon“, der Burgturm mit seinen rund 50 Metern Höhe. Nagoyas Stadtsymbol, die „Shachihoko“, eine Mischung aus Delphin und Karpfen befinden sich auf dem Dach des Turms. Leider ist die originale Burg im 2. Weltkrieg vollständig zerstört und dann 1959 wieder vollständig neu – diesmal aus Beton – aufgebaut worden.

Im Süden der Stadt befindet sich der „Shirotori“, ebenfalls ein japanischer Garten und eine ruhige Oase inmitten der lebhaften Stadt. Um das Teehaus herum befinden sich viele Wasserlemente, Wasserfälle, Berge und viele Bäume. Man möchte sich am liebsten irgendwo hier niedersetzen und die Landschaft, das Plätschern von Wasser auf sich wirken lassen…
Übrigens, eher durch Zufall haben wir entdeckt, dass aus den bekannten 100¥ Automaten nicht nur die begehrten gekühlten Getränke gezogen werden können, sondern auch warmer Kaffee in Dosen bzw. Flaschen! (eigentlich wollten wir gekühlten Eiskaffee). Und auch in den kleine Läden an jeder Ecke stehen direkt neben den Kühlregalen eigene Regale, die die darin gelagerten Getränke wärmen… Sowas gibt es wohl auch nur hier in Japan. Unsere Hoffnung, dass das hierbei die Abwärme der Kühlregale genutzt wird, haben wir – weshalb auch immer – schnell wieder beseite gelegt. 😉

