Nagasaki, das andere Hiroshima [09.10.2015]

Es war an der Zeit, dem gemütlichen, familiären Ryokan „Sayonara“ zu sagen. Schade, denn eigentlich war der Aufenthalt in diesem Ambiente viel zu kurz. Mit dem Bus ging es nach einem erneut überzeugenden Frühstück heute von Obama nach Nagasaki, dem ursprünglich ersten geplanten Ziel dieser Japanreise. Auch diese Busfahrt stellte keine Herausforderung mehr da, im Gegenteil, Gepäck verstaut und beim aussteigen, den passenden, auf einer Zahlentafel angezeigten Geldbetrag (man muss nur die Nummer der Haltestelle an der man eingestiegen ist im Kopf behalten und dann den passenden Fahrpreis beim Aussteigen ablesen) in Münzen in den Geldzählautomat beim Fahrer werfen – so einfach kann Bus fahren sein…
Nagasaki ist der Verwaltungssitz der gleichnamigen Präfektur mit – für japanische Verhältnisse relativ wenigen – knapp über 400.000 Einwohnern. Von hier aus erfolgte vor hunderten von Jahren der erste Handel der Japaner mit anderen Ländern, zu Beginn Portugiesen und später Holländer. Letztlich ist Nagasaki aber auch als (mahnender) Ort des 2. Abwurfs einer Atombombe bekannt. Am 09. August 1945 um 11:02 Uhr, nur 3 Tage nach dem Abwurf über Hirsohima explodierte die Atombombe rd. 2km von ihrem eigentlichen Ziel entfernt in 500m Höhe und zerstörte dennoch nahezu die halbe Stadt in Bruchteilen von Sekunden. Die Bombe tötete rd. 75.000 Menschen sofort bzw. in den direkten Wochen danach. Bis heute starben in beiden Städten hundert tausende Menschen. Der Friedenspark und das Atombomben-Museum befinden sich im direkten Umfeld des Ground-Zero. Nicht ganz so eindrucksvoll wie in Hirsoshima, dennoch erinnernd und vor allem mahnend! Ebenfalls in direkter Nachbarschaft und sehr dem Gedenken an die verstorbenen gerecht werdend, die Memorial-Hall. In ihr werden am Ende der Halle bis heute alle Namen der verstorbenen aufbewahrt, um ihnen ein ehrendes Andenken zu bewahren…
Am Abend konnten wir noch die letzten, bunten und lauten Feierlichkeiten des „Kunchi-Festivals“ verfolgen, die letztlich dafür sorgten, dass alle Hotels ausgebucht und wir die Reiseplanungen kurzfristig ändern mussten. Hier ist es für unzählige Gruppen jährliche Tradition, mit fahrbaren „Schiffen“ singend und musizierend durch die Stadt zu ziehen und an eine andere Vergangenheit, die Historie aus den früheren Jahrhunderten zu erinnern.

Hiroshima & die Atombombe [25.08.2012]

20120826-011306.jpg
Am Morgen ging es nach dem Kurzaufenthalt vom "New-Chitose-Airport" bei Sapporo über Tokyo weiter nach Hiroshima. Die beiden ANA-Flüge waren auch vom Service her sehr angenehm. Vor allem der Flug mit dem neuen Boeing "Dreamliner" (B787) war ein besonderes Flugerlebnis. Völlig neues Komfort- & Platzgefühl in der Economy, In-Seat Entertainment mit Messagingsystem, LED-Ambientebeleuchtung, elektrisch dimmbare Fensterscheiben (…)!

Der Grund weshalb Hiroshima auf dem Reiseplan stand, dürfte jedem klar sein. Der Friedenspark mit dem Atombombendom, dass beeindruckende Mahnmal an die widerwärtige Kriegsführung der USA… Weshalb Hunderttausende unschuldige teils sofort, teils Jahre später und noch in Zukunft sterben mussten / müssen, bleibt wohl das Geheimnis der Staaten. Japan war zum Ende des Krieges bereits geschwächt und hätte wohl früher oder später freiwillig kapituliert. Alle Nationen haben ihre Rolle im Weltkrieg, viele sind sich ihrer Schuld bewusst und tragen Verantwortung. Dieses Eingeständnis kann man wohl von den USA nicht erwarten. Beeindruckend die Memorialhall der Opfer, durchaus vergleichbar mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin von der Stille und dem Anmut der Erinnerung und des Gedenkens an die Opfer! Auch das Ehrengrabmal mit dem Steinsarg in dem sich die Namen der Opfer befinden und in den an jedem 06. August (dem Tag des Abwurfs) die Namen der im vergangenen Jahr an den Folgen des Massakers gestorbenen abgelegt werden, beeindruckt. Angrenzend brennt die Flamme des Friedens, sie erlischt erst, wenn alle Nuklearwaffen auf der Erde beseitigt wurden… Ein einfaches, aber sehr ernsthaftes Zeichen! Am Horizont ist dann bereits auf einer Linie das Gerippe der Ausstellungshalle der Handelskammer zu erkennen. Als einziges Gebäude innerhalb der Todeszone blieb es verhältnismäßig in Takt. Das UNESCO-Weltkulturerbe erinnert seit jeher an das Geschehen und das Leid vom 06. August 1945… Im gesamten Park befinden sich Grabsteine, Mahntafeln und Denkmäler so bspw. auch das für die gestorbenen Kinder.

20120826-011241.jpg
20120826-011256.jpg

An eines der Kinder erinnern die vielen von Schulklassen beim Besuch der Gedenkstätte abgelegten gefalteten Papiervögel. Ein Mädchen das durch die Folgen der Strahlung erkrankte, tat sich daran 1.000 Papiervögel zu falten. Der Mythos sagt, dass einem Menschen der 1.000 Papiervögel faltet ein Wunsch erfüllt werden würde. Das kleine Mädchen wünschte sich nichts sehnlicher als Gesund zu werden! Als es starb hatte es knapp unter 900 Vögel gefaltet. Seither bringen Schulklassen als Erinnerung an das Mädchen selbst gefaltete Vögel mit und hinterlegen sie im Park.

Die Ausstellung des Friedensmuseum ist ebenfalls sehr beeindruckend. Schade das uns die Zeit etwas gedrängt hat. Es gibt viel Informatives über die Gesichte Hiroshimas vor und nach dem Abwurf der Bombe, aber auch Gegenstände und Bilder von den Minuten, Tagen, Wochen und Monate nach dem Abwurf. Das ganze ebenfalls in einem würdigen Rahmen. Beeindruckend auch die bisher 599 Protestschreiben der jeweiligen Bürgermeister Hiroshimas an die Regierenden der aktiv Nuklearbomben testenden Ländern (der aktuellste aus April 2012 an Präsident Obama). Resonanz? Fehlanzeige! Ein trauriges Zeichen der Großen der Welt…

Im Park befindet sich auch eine frei zugängliche Friedensglocke, deren Hall den Frieden hinaus in alle Welt tragen soll. Wir haben die Glocke geläutet, verbunden mit einem Wunsch:

PEACE ON EARTH AND NUCLEAR DISARMAMENT!

20120826-011318.jpg