Nagasaki zwischen Handel & Tradition [10.10.2015]

Nagasaki entwickelte sich Mitte des 16. Jahrhunderts mit der Ankunft der Portogiesen von einem kleinen Fischerdorf zu einem, für Japan bedeutenden, Handelsplatz. Anfangs durch die Portugiesen, später vor allem durch die Holländer wurden durch den Handel auch viele bis dahin in Japan unbekannte Produkte (bspw. Knöpfe, Tabak) und Nahrungsmittel (bspw. Brot, Tempura) eingeführt. Mit den europäischen Seefahrern erreichten auch Jesuiten Japan, bauten Kirchen, gründeten Pflegeheime und übernahmen die Stadtverwaltung. Ende des 16. Jahrhunderts verloren die Christen jedoch den Rückhalt der Regionalfürsten und mussten die Verwaltung abgeben. Die Verfolgung nahm weiter zu. 1597 wurden 26 Missionare und zum Christentum kovertierte Japaner im Alter von 12 bis 64 aus ganz Japan nach Nagasaki geführt und wurden dort als Abschreckung gekreuzigt. Die Märtyrer wurden durch den Papst 1862 heilig gesprochen. Man gedenkt ihrerer u.a. in einer, der „Sagrada Familia“ in Barcelona ähnlich aussehenden Kirche, die von einem Schüler Gaudís entworfen wurde.
Die Verfolgung der Christen nahm in den Folgejahren massiv zu und so wurden die Portugiesen auf einer kleine Insel – Dejima – vor der Stadt interniert und mussten alsbald das Land verlassen. Nachdem die Portugiesen das Land verlassen hatten, wurde der Handelsplatz der Holländer nach „Dejima“ verlegt. Diese konnten aufgrund der Konkurrenz zu den Portugiesen, der bisherigen Loyalität mit den Fürsten und der Tatsache, dass durch sie keine Missionsaktivitäten getätigt wurden, unbehelligt im Land bleiben. Die kleine Insel vor der Stadt sollte von nun an das einzige Tor von Japan für den Handel mit der Außenwelt sein. Die Holländer durften die Insel jedoch nur verlassen, um dem Shogun in Edo die Ehre zu erweisen. Ein aufwendiger Ausflug, der je Richtung 90 Tage Zeit in Anspruch nahm.
Trotz der vielen Kirchen in Nagasaki sind auch etliche Tempelanlagen teilweise noch erhalten bzw. rekonstruiert. Es bleibt hierbei jedoch anzumerken, dass hier meist sofort ersichtlich ist, dass diese Tempel aus China stammen (Aufgrund der Farbgebung und Verzierungen). Die Chinesen, denen es auch nur über Nagasaki möglich war, in Japan anzulanden, hatten den Shogunen mit der Errichtung der Tempelanlagen zeigen wollen, dass auch sie Buddhistischen Glaubens sind. Im „Sōfuku-ji“ sind die zwei ältesten in Nagasaki erhaltenen Gebäude und Nationalschätze Japans aus den Jahren 1629 („Daiippō-mon“) und 1646 („Daiyū Hōden“) zu besichtigen.
Als Abschluss des Tages stand noch eine Fahrt auf den Mt. Inasa, Nagsakis Hausberg, auf dem Programm. Der Ausblick auf die in der Nacht strahlend vor einem liegende Stad soll zumindest laut Tourismus Büro einer der schönsten der Welt sein… 😉

Nagasaki, das andere Hiroshima [09.10.2015]

Es war an der Zeit, dem gemütlichen, familiären Ryokan „Sayonara“ zu sagen. Schade, denn eigentlich war der Aufenthalt in diesem Ambiente viel zu kurz. Mit dem Bus ging es nach einem erneut überzeugenden Frühstück heute von Obama nach Nagasaki, dem ursprünglich ersten geplanten Ziel dieser Japanreise. Auch diese Busfahrt stellte keine Herausforderung mehr da, im Gegenteil, Gepäck verstaut und beim aussteigen, den passenden, auf einer Zahlentafel angezeigten Geldbetrag (man muss nur die Nummer der Haltestelle an der man eingestiegen ist im Kopf behalten und dann den passenden Fahrpreis beim Aussteigen ablesen) in Münzen in den Geldzählautomat beim Fahrer werfen – so einfach kann Bus fahren sein…
Nagasaki ist der Verwaltungssitz der gleichnamigen Präfektur mit – für japanische Verhältnisse relativ wenigen – knapp über 400.000 Einwohnern. Von hier aus erfolgte vor hunderten von Jahren der erste Handel der Japaner mit anderen Ländern, zu Beginn Portugiesen und später Holländer. Letztlich ist Nagasaki aber auch als (mahnender) Ort des 2. Abwurfs einer Atombombe bekannt. Am 09. August 1945 um 11:02 Uhr, nur 3 Tage nach dem Abwurf über Hirsohima explodierte die Atombombe rd. 2km von ihrem eigentlichen Ziel entfernt in 500m Höhe und zerstörte dennoch nahezu die halbe Stadt in Bruchteilen von Sekunden. Die Bombe tötete rd. 75.000 Menschen sofort bzw. in den direkten Wochen danach. Bis heute starben in beiden Städten hundert tausende Menschen. Der Friedenspark und das Atombomben-Museum befinden sich im direkten Umfeld des Ground-Zero. Nicht ganz so eindrucksvoll wie in Hirsoshima, dennoch erinnernd und vor allem mahnend! Ebenfalls in direkter Nachbarschaft und sehr dem Gedenken an die verstorbenen gerecht werdend, die Memorial-Hall. In ihr werden am Ende der Halle bis heute alle Namen der verstorbenen aufbewahrt, um ihnen ein ehrendes Andenken zu bewahren…
Am Abend konnten wir noch die letzten, bunten und lauten Feierlichkeiten des „Kunchi-Festivals“ verfolgen, die letztlich dafür sorgten, dass alle Hotels ausgebucht und wir die Reiseplanungen kurzfristig ändern mussten. Hier ist es für unzählige Gruppen jährliche Tradition, mit fahrbaren „Schiffen“ singend und musizierend durch die Stadt zu ziehen und an eine andere Vergangenheit, die Historie aus den früheren Jahrhunderten zu erinnern.

Japan we can again – Anreise nach Obama [06./07.10.2015]

Relativ kurzfristig fiel die Entscheidung eines weiteren Trips ins Land der aufgehenden Sonne… Entsprechend wenig Vorbereitungszeit war vorhanden. Da Japan jedoch kein Neuland war, sollte die Planung eigentlich auch kein größeres Problem bedeuten – sollte…!

Fest stand, es sollte diesmal in den Süden, nach Kyushu, eine der vier Hauptinseln, gehen. Daher war der Flug – außer ein paar Problemen mit der Akzeptanz des Securecodes eines namhaften Kreditkartenanbieters – schnell gebucht. Über Osaka sollte es nach Nagasaki gehen. Wie sich alsbald jedoch herausstellte, war just zum Zeitpunkt der geplanten Ankunft in Nagasaki ein großes Festival angekündigt und die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit drohte mangels freier Hotels schier zu scheitern. Es musste wenige Tage vor dem Abflug (kreativ) umdisponiert werden. So wurde aus einem Tagesausflug, ein 2 Tagesaufenthalt in der Provinz, ein leicht verkürzter Nagsaki-Trip und eine zusätzliche Übernachtung in der größten Stadt der Insel, Fukuoka/Hakata… Na ob das mal gut geht?

Endlich war es  nun soweit und die Lufthansa flog uns mal wieder zuverlässig bis Osaka. Bereitete der anstehende Flughafentransfer vom außerhalb, auf einer künstlichen Insel gelegenen, internationalen Kansai-Airport zum zentrumsnahen Itami-Airport und dem zu erwartende Verkehrskollaps im morgendlichen  Berufsverkehr im Vorfeld sorgen, zeigte sich das (eigentlich gewohnte) Organisaionstalent der Japaner. Koffer direkt am Airport im wartenden Bus verstaut, eingestiegen und Dank des Anschlussfluges für 0¥ in rund 40 Minuten den Flughafen gewechselt.

Auf dem Flug nach Osaka wiederum erwartete uns die gewohnte Freundlichkeit der japanischen Flugbegleiterinnen und doch merkte man ihnen an, dass sie bei (diesen) Inlandsflügen nicht oft europäische Gäste an Bord haben. Schnell wurden die englischen Durchsagen, abgelesen von einem Spickzettel, noch eingebaut.
Durch die, wegen des Festes in Nagasaki, notwendige Umdisposition war nun eine längere Fahrt mit einem Überlandbus (inkl. Umstieg) erforderlich. Selbst das erwies sich trotz Sprach- und Lesebarrieren, dank der Hilfsbereitschaft der Mitreisenden und Busfahrer als überraschend einfach, schnell und komfortabel.
Obama (ja genau, Obama, nicht der „POTUS“ sondern das Dorf 小浜) war unser erstes Ziel das wir am Nachmittag endlich erreichten. Obama, ein verschlafenes Nest in einer noch verschlafeneren Provinz. Immerhin aber, das Tor zu Mt. Unzen und stolz auf seine unzähligen heißen Onsen, den typisch japanischen heißen Quellen/Bädern. Und tatsächlich trat aus allen Öffnungen in den Straßen heißer Dampf empor. Vorallem Abends ein gespenstisches Bild.
Zu Gast waren wir in einem Ryokan, einer typisch japanischen Unterkunft mit all den zu erwartenden Hürden. Gleich am Eingang werden einem die Schuhe abgenommen und man steigt in, für Europäer definitiv viel zu kleine Schlappen (die man im übrigen vor dem Klo gegen andere Klo-Schlappen tauscht), das klassisches Zimmer mit Papierschiebwänden und Tatamimatten ausgestattet. Geschlafen wurde nahezu auf dem Boden, auf einer dünnen Matraze. Gleichwohl, nach einem ausgiebigen Bade im Onsen auf der Dachterasse, nach der anstrengenden Reise war das alles am Ende des Tages egal…