Nach drei bisherigen Aufenthalten in Japans Hauptstadt bleibt endlich einmal Zeit, sich von der Metropole treiben zu lassen und auch mal spontane Wege zu gehen und Ort zu erkunden, ohne Zeitdruck und vorgegebene „Must see“-Points. So stand am Mittwoch erstmal ein Besuch des Railwaymuseums der JapanRail (JR) auf dem Programm. Bisher scheiterte der Besuch an der Zeit bzw. der doch etwas weiteren Anfahrt. Das Museum befindet sich in Omiya, gute Stunde von der Innenstadt entfernt. In großen Hallen und auf einem Freigelände sind viele historische Eisenbahnfahrzeuge, von alten Dampflokomotiven der ersten japanischen Eisenbahn, über den kaiserlichen Hofzug, bis hin zum ersten Shinkansen ausgestellt. Außerdem besteht in vielen Wissenslaboren die Möglichkeit, mit den eigenen Sinnen das System Eisenbahn zu erkunden. Welche Räderart eignet sich am besten für Weichenfahrten? Wie funktioniert eine Dampflok? Wie wird sichergestellt, dass die Züge nicht kollidieren? Hier muss gesagt werden, dass auf den Shinkansen-Strecken seit Inbetriebnahme in den 60er Jahren keine Zugsicherung über Signale erfolgt, sondern die Züge sich selbst erkennen und entsprechend die Geschwindigkeiten vorgeben. Sicher auch ein Grund für die sehr kurzen möglichen Taktzeiten zwischen den einzelnen Zügen. Ein Highlight waren aber sicherlich die verschiedenen, teils beweglichen Zugsimulatoren, vom U-Bahn Zug der Tokio Metro, den Shinkansen oder einer Dampflok. Im übrigen zeichnet diese Smulatoren das projezierte Livebild im Gegensatz zu den üblichen Animationen aus. Die Lokführer der JR werden in eben solchen Simulatoren geschult. Bereits im letzten Jahr auf der INNO-Trans in Berlin konnte ich mich am Stand der JR mit dem Geschäftsführer der Herstellerfirma intensiv austauschen und so war ich überrascht, diese Simulatoren im Railmuseum zu entdecken. Zusammenfassend ein interessanter Einblick aus und in den Eisenbahnbetrieb in Japan.

Da am Donnerstag keine Wolke am Himmel zu erkennen war, wollten wir noch einmal die Perspektive von oben auf die Stadt genießen. Daher ging es erneut nicht zum (überteurten, überfüllten) Skytree sondern aufs Tokio-Government-Building, dem Rathaus der Präfektur Tokio. Zwar nicht ganz so hoch (dennoch 69. Stock), dafür kaum andere Leute und das ganze gratis. Nach wie vor ein Geheimtipp! Um das Rathaus zu erreichen, fährt am besten bis „Shinjuku“ und lässt sich gleich mal vom Gewusel von unendlichen Menschen beeindrucken. Aber aufpassen, den richtigen Ausgang finden und sich rechtzeitig aus der Masse nach links oder rechts rausarbeiten. Shinjuku ist baulich nicht der größte Bahnhof der Welt, aber von der täglichen Anzahl an Reisenden unschlagbar: über 3 Millionen Menschen nutzen die Bahnsteige dieser Station (im Vergleich: Frankfurt (M) Hauptbahnhof rd. 500.000).

Am Rathaus angekommen, bot sich ein freundlicher älterer Volenteer an, uns durch den öffentlichen Bereich des Rathauses zu begleiten und auch auf der Aussichtsplattform ein paar Worte über Tokio und seine Sehenswürdigkeiten zu verlieren. Wir nahmen dankend an und es entwickelte sich ein nettes Gespräch über die Architektur, Wirtschaftskrise und das Wetter 😉 . Die Aussicht war toll, aber aufgrund des noch recht warmen Wetters, am Horizont noch recht dunstig. Ein Blick auf den „Fuji-San“ blieb uns daher leider verwehrt. Nichtsdestotrotz erspähten wir, auch dank unseres Begleiters, noch ein größeres Stück „grün“ im dichten Stadtdschungel, den „Yoyogi-Park“. Nach einer kurzen U-Bahn Fahrt erreichten wir den Park und waren beedindruckt. Mitten in der Mulit-Millionen Metropole befindet sich ein Wald! Je tiefer man hinein schritt, desto ruhiger wurde es um einen herum. Wunderschön…








