Tokio, sich von der Metropole treiben lassen… [14.10./15.10.2015]

Nach drei bisherigen Aufenthalten in Japans Hauptstadt bleibt endlich einmal Zeit, sich von der Metropole treiben zu lassen und auch mal spontane Wege zu gehen und Ort zu erkunden, ohne Zeitdruck und vorgegebene „Must see“-Points. So stand am Mittwoch erstmal ein Besuch des Railwaymuseums der JapanRail (JR) auf dem Programm. Bisher scheiterte der Besuch an der Zeit bzw. der doch etwas weiteren Anfahrt. Das Museum befindet sich in Omiya, gute Stunde von der Innenstadt entfernt. In großen Hallen und auf einem Freigelände sind viele historische Eisenbahnfahrzeuge, von alten Dampflokomotiven der ersten japanischen Eisenbahn, über den kaiserlichen Hofzug, bis hin zum ersten Shinkansen ausgestellt. Außerdem besteht in vielen Wissenslaboren die Möglichkeit, mit den eigenen Sinnen das System Eisenbahn zu erkunden. Welche Räderart eignet sich am besten für Weichenfahrten? Wie funktioniert eine Dampflok? Wie wird sichergestellt, dass die Züge nicht kollidieren? Hier muss gesagt werden, dass auf den Shinkansen-Strecken seit Inbetriebnahme in den 60er Jahren keine Zugsicherung über Signale erfolgt, sondern die Züge sich selbst erkennen und entsprechend die Geschwindigkeiten vorgeben. Sicher auch ein Grund für die sehr kurzen möglichen Taktzeiten zwischen den einzelnen Zügen. Ein Highlight waren aber sicherlich die verschiedenen, teils beweglichen Zugsimulatoren, vom U-Bahn Zug der Tokio Metro, den Shinkansen oder einer Dampflok. Im übrigen zeichnet diese Smulatoren das projezierte Livebild im Gegensatz zu den üblichen Animationen aus. Die Lokführer der JR werden in eben solchen Simulatoren geschult. Bereits im letzten Jahr auf der INNO-Trans in Berlin konnte ich mich am Stand der JR mit dem Geschäftsführer der Herstellerfirma intensiv austauschen und so war ich überrascht, diese Simulatoren im Railmuseum zu entdecken. Zusammenfassend ein interessanter Einblick aus und in den Eisenbahnbetrieb in Japan.
 
Da am Donnerstag keine Wolke am Himmel zu erkennen war, wollten wir noch einmal die Perspektive von oben auf die Stadt genießen. Daher ging es erneut nicht zum (überteurten, überfüllten) Skytree sondern aufs Tokio-Government-Building, dem Rathaus der Präfektur Tokio. Zwar nicht ganz so hoch (dennoch 69. Stock), dafür kaum andere Leute und das ganze gratis. Nach wie vor ein Geheimtipp! Um das Rathaus zu erreichen, fährt am besten bis „Shinjuku“ und lässt sich gleich mal vom Gewusel von unendlichen Menschen beeindrucken. Aber aufpassen, den richtigen Ausgang finden und sich rechtzeitig aus der Masse nach links oder rechts rausarbeiten. Shinjuku ist baulich nicht der größte Bahnhof der Welt, aber von der täglichen Anzahl an Reisenden unschlagbar: über 3 Millionen Menschen nutzen die Bahnsteige dieser Station (im Vergleich: Frankfurt (M) Hauptbahnhof rd. 500.000).
Am Rathaus angekommen, bot sich ein freundlicher älterer Volenteer an, uns durch den öffentlichen Bereich des Rathauses zu begleiten und auch auf der Aussichtsplattform ein paar Worte über Tokio und seine Sehenswürdigkeiten zu verlieren. Wir nahmen dankend an und es entwickelte sich ein nettes Gespräch über die Architektur, Wirtschaftskrise und das Wetter 😉 . Die Aussicht war toll, aber aufgrund des noch recht warmen Wetters, am Horizont noch recht dunstig. Ein Blick auf den „Fuji-San“ blieb uns daher leider verwehrt. Nichtsdestotrotz erspähten wir, auch dank unseres Begleiters, noch ein größeres Stück „grün“ im dichten Stadtdschungel, den „Yoyogi-Park“. Nach einer kurzen U-Bahn Fahrt erreichten wir den Park und waren beedindruckt. Mitten in der Mulit-Millionen Metropole befindet sich ein Wald! Je tiefer man hinein schritt, desto ruhiger wurde es um einen herum. Wunderschön…

Tokyo, ein Ausflug in den „Vorort“ Yokohama [13.10.2015]

Kaum angekommen, wollten wir heute mal aus Tokyo heraus. Yokohama war noch Neuland und so brachen wir mit der U-Bahn und dem Vorortzug auf. Man merkt jedoch gar nicht, dass man Tokyo verlässt. Die Häuserschluchten reihen sich eine nach der anderen. Nach rund 40 Minuten hatten wir Yokohama, quasi den Vorort von Tokyo mit seinen 3,5 Mio Einwohnern erreicht. Im übrigen ist die Stadt bei in Japan lebenden Ausländern beliebt. Ist sie doch etwas ruhiger als Tokyo und beherbergt die bekannte International School of Yokohama, an der auch viele deutsche Kinder unterrichtet werden.

Von weitem ist bereits der „Landmark-Tower“, das höchste Gebäude Japans sichtbar. Seine fast 300 Meter überragen alles. Unser Rundgang führte uns durch eine um den „Landmark-Tower“ gebaute Shopping-Mall, die durch ihre kurvenfahrenden Rolltreppen auffällt. Eine Konstruktion die wir – wenn sie überhaupt irgendwo sonst auf der Welt aufgebaut ist – mit Sicherheit den Japanern und ihrem Drang nach etwas Besonderem zu verdanken haben. 🙂
Weiter ging es an der schönen Hafenpromenade vorbei und alten Backsteingebäuden, die früher dem Umschlag von Waren dienten und heute, vollständig saniert, wieder Geschäfte beherbergen. Von weitem vernahmen wir aber etwas vertrautes, den Klang von Trompeten, Musik, Schunkelmusik… Tausende Kilometer von Deutschland entfernt konnten wir es recht schnell erkennen. Zwischen den Backsteinbauten, direkt am Hafen war eine kleine Zeltstadt aufgebaut und neben den deutschen Fahnen stand dort in großen Lettern, Oktoberfest Yokohama! Mensch, hätte ich doch nur meinen, vor ein paar Wochen auf dem echten Oktoberfest gekauften Hut, dabei gehabt. Ich wäre eine Hauptattraktion gewesen. 🙂 An einer kurzen Rast wollten wir uns jedoch nicht weiter aufhalten, einmal weil es noch recht früh für eine Maß gewesen wäre, andererseits aber auch umgerechnet rund 25€ (aktuell auf der Wiesn „nur“ 10,50€) gekostet hätte. Zugegeben, lustig wäre es zwischen all den Japanern gewesen, die sich Bier, Brezel, Sauerkraut und Würstchen angetan haben…
Für uns ging es jedoch weiter, vorbei am neuen Kreuzfahrtterminal (weshalb hier ein Flugzeugträger anlandete, ist mir ein Rätsel) und dem Ausländerfriedhof, auf dem viele Ausländer aus der Gründungszeit von Yokohama ihre letzte Ruhe fanden. Die Gegend rund um den Friedhof ist auch heute noch  bei den vielen im Großraum Tokyos arbeitenden Ausländern beliebt bei der Wohnungssuche. Am Fuße des Viertels liegt „Chūkagai“, Chinatown von Yokohama. Über 500 Geschäfte und Restaurants bieten hier ihre Waren und Dienstleistungen an.
Direkt von Chinatown konnten wir zurück nach Tokyo, genauer nach Shibuya fahren. Der Zug ändert auf dieser Fahrt mehrfach seine Linienzuordnung und Zuggattung (aus U-Bahn wird Local wird U-Bahn, …) und kommt dennoch nahezu auf die Sekunde pünktlich an und die Fahrgäste merken von diesen betrieblichen Abläufen kein bisschen! So sollte ein vernetztes Eisenbahnsystem sein.
Shibuya dürfte dem aufmerksamen Blogleser mittlerweile ebenfalls ein Begriff sein (falls nicht, einfach mal suchen). Vielmehr vielleicht die am Bahnhof liegende Kreuzung, bei der auf einmal alle Fußgänger (und das sind einige) aus allen Richtungen die Straße überqueren und anschließend die Kreuzung wieder in der Hand der Autos liegt. Auch Hachiko, der treue Hund, wartet immer noch an der gleichen Stelle. Es ist schön, wenn einem viele Dinge in einer so großen Stadt bereits vertraut vorkommen. Wobei zugegeben auf der Rückfahrt zum Hotel der Eingang der entsprechenden „Ginza-Line“ doch etwas schwerer zu finden war. Zum Abendessen gab es zuvor jedoch Sushi, bestellt über ein Tablet und an den Platz geliefert mittels eines vollautomtischen Schlittens auf einem Magnet-Schienensystem. Kannten wir zwar schon, dennoch wieder eine gute Wahl für den Abschluss des Tages.