Nun heißt es noch bei einem leckeren „Okonomiyaki“-Abendessen (vergleiche Hiroshima-Aufenthalt 2012) richtig Abschied zu nehmen. Zu schnell ging die Zeit dann doch schon wieder vorbei und der 12-Stunden-Flug nach Frankfurt steht bereits zum Check-In bereit. Es ist aber schön zu sehen, dass auch dieses mal immer wieder neue Eindrücke und Erfahrungen gesammelt werden konnten und somit weiteren Reisen in naher oder ferner Zukunft nichts im Wege stehen wird!
Rückblickend möchte ich aber noch kurz von den Hellsehern Japans erzählen:
Angefangen zu Beginn der diesjährigen Reise im Ryokan in Obama in der tiefsten Provinz. Wie es sich gehört, geht man auf dem Weg zu den heißen Bädern, den Onsen, nicht mit normalen Kleidern sondern im „Yukatan“, dem leichten Sommer-Kimono. Diese liegen in jedem Hotelzimmer bereit. Nun ist es aber so, dass der Durchschnitts-Japaner (viel) kleiner gewachsen ist als der Durchschnitts-Europäer. Entsprechend enger und knapper waren die entsprechenden Yukatan, die bereits in zwei Größen bereit lagen, keine jedoch wirklich groß genug.
Natürich ist es uns aufgefallen und wir haben uns hierüber auch noch unterhalten. Aber sei es drum, sie erfüllen ihren Zweck und der Weg vom Zimmer zum Onsen war nicht so weit. Am nächsten Tag – wir kamen gerade von einem Ausflug zurück – begrüßte uns die ältere Hausdame wie gewohnt. Doch dann verfolgte sie uns schnellen Schrittes und versuchte, irgendetwas zu erklären. Plötzlich kramte Sie aus einer Kammer zwei neue Yukatan hervor. Wie sich herausstellte, zwei wesentlich größere und angenehmer zu tragende Yukatan. Was für ein Zufall? Hatte die alte Dame etwa unsere Gedanken gelesen?
In Nagasaki vertrauten wir auf die Restaurant-Empfehlung des Reiseführers. Leider vergeblich. Wir fanden den Geheimtipp nicht (in Japan ist das mit Adressen so eine eigene Sache). Letztlich konnten wir über die bekannten Protale ein anderes „Gyoza“-Restaurant (Teigtaschen, ähnlich Maultaschen) ausfindig machen. Irgendwann standen wir etwas abseits an einer Kreuzung und wollten uns anhand der Schriftzeichen nochmal vergewissern ob es sich um eben das gesuchte Restaurant handelte. Wie aus dem Nichts stand da plötzlich eine Frau neben uns und lud uns mit freundlicher Bewegung in ihr Restaurant ein, „Gyoza? Come in…“. So schnell wie wir herinnen waren, so schnell war sie auch schon wieder verschwunden. Es war aber genau das Restaurant, das wir gesucht hatten. Im Laufe des Essens der köstlichen Taschen stellte sich heraus, dass gewisse Dinge zu beachten sind: Man sollte beispielsweise die Brühe am Tisch noch würzen. Wir besprachen uns kurz „Wie das denn nun nochmal war“ und betrachteten unsere dampfenden Suppenschüsseln vor uns. Und *kazsching* die Frau stand an unserem Tisch und ich hatte die Gewürze in meiner Brühe und alle anderen am Tisch (auch Japaner) wussten nun erst. wie es richtig funktioniert. Und, bevor man Danke sagen konnte, war die Dame auch wieder verschwunden. Es ist aber nicht so, dass wir sie im Laden einfach nicht mehr gesehen haben – es war ein kleiner Laden – vielleicht 20 Plätze, eng bestuhlt. Sie war einfach weg, so schnell wie sie gekommen war. Hellseher? Gedankenleser?
Naja, weder noch. Vielmehr eine Charaktereigenschaft, die wir Europäer leider völlig verlernt haben: Eine Eigenschaft, welche die Japanische Gesellschaft zu dem macht, was sie ist. Eine Dienstleistungsgesellschaft. Dienstleistung an der Gesellschaft. Die beiden Damen haben einfach sofort erkannt, was unsere Bedpürfnisse waren. Sie waren beide ungemein aufmerksam, auf die Umgebung, auf uns. Dem Kunden immer einen Schritt voraus sein, ihn gar nicht in die Verlegenheit bringen, nach etwas zu fragen. Das schaffen wir in unserer Neid- und Beschwerdegesellschaft nicht mehr. Die Dienstleister bekommen gar nicht mehr die Gelegenheit, ihren Kunden einen Schritt voraus zu sein. Schade eigentlich.
Aber ein Grund mehr Japan zu lieben… Sayonara Nihon und bis bald. Ganz gewiss! 🙂









