Auf gehts nach Nagoya [16.10.2015]

Die Zeit in Tokio war schon wieder vorbei und so machten wir uns am Vormittag auf zu unserer letzten Station, Nagoya. Wohlwissend, dass Tokio auch noch für kommende Aufenthalte noch mehr als genug Abwechslung bietet. An der Tokio Station (hat seit kurzem eine Partnerschaft mit dem Frankfurter Hauptbahnhof) erstmal die Zugtickets für den Shinkansen nach Nagoya kaufen. Aufgrund der Tourplanung verzichteten wir diesmal auf den ansonsten sehr praktischen JapanRailPass, mit dem man für jeweils rd. 1 oder 2 Wochen alle JR-Züge nutzen kann. Der Verkäufer am Schalter hat uns fix ein Ticket und die passende Reservierung für einen der nächsten Züge ausgestellt und wir konnten uns daher schnell auf dem Weg zum Shinkansen-Terminal und dem Bahnsteig machen. Anzumerken ist, dass die Shinkansen einen dichten Taktverkehr bieten, so das man innerhalb einer halben Stunde mehrere Verbindungen in alle Richtungen hat. Ein Traum…
Am Bahnsteig erwartete uns bereits der „Nozomi“-Shinkansen (のぞみ) mit Fahrtziel Hiroshima. Die Türen waren noch verschlossen, da der Zug für seine Reise vorbereitet wurde. Eine fleißige Putzkolonne durchkämmt die Wagen, reinigt diese und dreht alle (!!) Sitzreihen wieder in die korrekte Fahrtrichtung. Auf dem Bahnsteig orientierten wir uns gekonnt an den auf dem Boden befindlichen Markierungen und Einstiegszonen für unseren Wagen und reihten uns brav in die bereits vorhandene Warteschlange ein. 7 Minuten bis zur Abfahrt, immer noch sind die Türen verschlossen und insgeheim muss man an Deutschland denken und was verschlossene Türen, kurz vor Abfahrt für ein Chaos auslösen würden. Auf die Minute, 5 Minuten vor Abfahrt öffnen sich die Türen, die Putzkolonne steigt aus, verbeugt sich, bittet um Entschuldigung (so wie man immer und bei allem um Entschuldigung bittet – Sumimasen, すみません。). Die Menschenschlange setzt sich in Bewegung und ehe man sich versieht, den Koffer in ausreichend großen Gepäckfächern verstaut und man Platz genommen hat, ertönt eine schöne Melodie, die Türen schließen sich und der Zug setzt sich in Bewegung. Ein Blick auf die Uhr bestätigt, pünktlich auf die Sekunde! Keine panisch noch heraneilenden Reisenden, keiner der sich noch durch die sich schließende Tür drückt, keiner der die Beherrschung verliert. Alles läuft gesittet, ruhig und sehr strukturiert ab. Einfach toll…
Zwei Stopps später (Shinagawa & Yokohama) werden die Häuserzeilen weniger und nach 30 Minuten Fahrt haben wir das Stadtgebiet um Tokio verlassen. Der Shinkansen beschleunigt und die beeindruckende Landschaft zieht an einem vorbei. Der Mt. Fuji, sonst auch gerne aus dem Zug erkennbar, lässt sich heute leider nicht blicken und versteckt sich hinter tief hängenden Wolken. Schade, aber man sagt ihm ja zu Recht nach, dass er sehr eigen und schüchtern ist.

Den Genuss einer Bento-Box (jeder isst im Zug Bento) und des Eiscafes gehöhren nach so vielen Fahrten mit dem Shinkansen mittlerweile auch schon zum liebgewonnenen Ritual. Diesesmal bleibt für alles aber nicht viel Zeit. Der Shinkansen legt die rd. 350km zwischen Tokio in Nagoya in rund 1 Stunde 45 Minuten zurück und so heisst es alsbald und wieder auf die Minute pünktlich, Nagoya nächster Halt Nagoya.
Auf meiner Einkaufsliste stand diesmal unter anderem auch ein „Hanko“. Japaner unterschreiben vom Grundsatz her nicht mit einem Kugelschreiber wie wir es gewohnt sind. Sie stempeln ihre Namen meist in Kanji und besitzen hierfür die verschiedensten Stempel. Es gibt spezielle, registrierte Stempel für die ganz wichtigen Dinge im Leben (Grundstückserwerb, Bankkonten etc.) und die nicht registrierten für das alltägliche Leben (Mietverträge, Quittungen, etc.). Einen nicht registrierten wollte ich mir diesmal besorgen, konnte aber kein passendes Geschäft dafür finden. Eigentlich hatte ich mir den Wunsch bereits wieder abgeschrieben, da kam aber der Geheimnisvolle Wunderaufzug ins Spiel. Als wir mit dem Gepäck aus der U-Bahn heraus einen Ausgang mit Aufzug gesucht hatten, fanden wir uns (wie so oft in Japan) inmitten eines Kaufhauses wieder. Einen Ausgang aus eben diesem konnten wir zwar nicht finden und schon sprachen wir eine Aufzugsaufpasserin auf den Ausgang an. Sie verstand uns nicht wirklich und eigentlich symbolisierte sie irgendwie, dass es über die Aufzüge nicht nach draußen ginge (wieso eigentlich nicht?). Wir stiegen entgegen ihrer Erwartung dennoch ein. Der Aufzug spuckte uns im 3. Stock (was in Japan auch der 2. oder 4. Stock sein könnte) aus und wir fielen quasi genau in einen Hanko-Shop hinein. Herrlich, diese Zufälle, oder Absicht? Auf alle Fälle habe ich jetzt einen schönen Hanko mit dem Kanji Symbol für „Fuchs“ (kitsune 狐) und kann von nun an alles abstempeln…

Letztlich galt es am Nachmittag und zum Abend hin, die nähere Umgebung zu erkunden und noch den Sonnenuntergang vom Nagoya Tower zu genießen. Es stelle sich auch noch heraus, dass just zu unserem Aufenthalt auch hier in Nagoya wieder ein Herbstfestival ansteht. Wir sind gespannt…

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