Kaum angekommen, wollten wir heute mal aus Tokyo heraus. Yokohama war noch Neuland und so brachen wir mit der U-Bahn und dem Vorortzug auf. Man merkt jedoch gar nicht, dass man Tokyo verlässt. Die Häuserschluchten reihen sich eine nach der anderen. Nach rund 40 Minuten hatten wir Yokohama, quasi den Vorort von Tokyo mit seinen 3,5 Mio Einwohnern erreicht. Im übrigen ist die Stadt bei in Japan lebenden Ausländern beliebt. Ist sie doch etwas ruhiger als Tokyo und beherbergt die bekannte International School of Yokohama, an der auch viele deutsche Kinder unterrichtet werden.
Von weitem ist bereits der „Landmark-Tower“, das höchste Gebäude Japans sichtbar. Seine fast 300 Meter überragen alles. Unser Rundgang führte uns durch eine um den „Landmark-Tower“ gebaute Shopping-Mall, die durch ihre kurvenfahrenden Rolltreppen auffällt. Eine Konstruktion die wir – wenn sie überhaupt irgendwo sonst auf der Welt aufgebaut ist – mit Sicherheit den Japanern und ihrem Drang nach etwas Besonderem zu verdanken haben. 🙂

Weiter ging es an der schönen Hafenpromenade vorbei und alten Backsteingebäuden, die früher dem Umschlag von Waren dienten und heute, vollständig saniert, wieder Geschäfte beherbergen. Von weitem vernahmen wir aber etwas vertrautes, den Klang von Trompeten, Musik, Schunkelmusik… Tausende Kilometer von Deutschland entfernt konnten wir es recht schnell erkennen. Zwischen den Backsteinbauten, direkt am Hafen war eine kleine Zeltstadt aufgebaut und neben den deutschen Fahnen stand dort in großen Lettern, Oktoberfest Yokohama! Mensch, hätte ich doch nur meinen, vor ein paar Wochen auf dem echten Oktoberfest gekauften Hut, dabei gehabt. Ich wäre eine Hauptattraktion gewesen. 🙂 An einer kurzen Rast wollten wir uns jedoch nicht weiter aufhalten, einmal weil es noch recht früh für eine Maß gewesen wäre, andererseits aber auch umgerechnet rund 25€ (aktuell auf der Wiesn „nur“ 10,50€) gekostet hätte. Zugegeben, lustig wäre es zwischen all den Japanern gewesen, die sich Bier, Brezel, Sauerkraut und Würstchen angetan haben…

Für uns ging es jedoch weiter, vorbei am neuen Kreuzfahrtterminal (weshalb hier ein Flugzeugträger anlandete, ist mir ein Rätsel) und dem Ausländerfriedhof, auf dem viele Ausländer aus der Gründungszeit von Yokohama ihre letzte Ruhe fanden. Die Gegend rund um den Friedhof ist auch heute noch bei den vielen im Großraum Tokyos arbeitenden Ausländern beliebt bei der Wohnungssuche. Am Fuße des Viertels liegt „Chūkagai“, Chinatown von Yokohama. Über 500 Geschäfte und Restaurants bieten hier ihre Waren und Dienstleistungen an.
Direkt von Chinatown konnten wir zurück nach Tokyo, genauer nach Shibuya fahren. Der Zug ändert auf dieser Fahrt mehrfach seine Linienzuordnung und Zuggattung (aus U-Bahn wird Local wird U-Bahn, …) und kommt dennoch nahezu auf die Sekunde pünktlich an und die Fahrgäste merken von diesen betrieblichen Abläufen kein bisschen! So sollte ein vernetztes Eisenbahnsystem sein.
Shibuya dürfte dem aufmerksamen Blogleser mittlerweile ebenfalls ein Begriff sein (falls nicht, einfach mal suchen). Vielmehr vielleicht die am Bahnhof liegende Kreuzung, bei der auf einmal alle Fußgänger (und das sind einige) aus allen Richtungen die Straße überqueren und anschließend die Kreuzung wieder in der Hand der Autos liegt. Auch Hachiko, der treue Hund, wartet immer noch an der gleichen Stelle. Es ist schön, wenn einem viele Dinge in einer so großen Stadt bereits vertraut vorkommen. Wobei zugegeben auf der Rückfahrt zum Hotel der Eingang der entsprechenden „Ginza-Line“ doch etwas schwerer zu finden war. Zum Abendessen gab es zuvor jedoch Sushi, bestellt über ein Tablet und an den Platz geliefert mittels eines vollautomtischen Schlittens auf einem Magnet-Schienensystem. Kannten wir zwar schon, dennoch wieder eine gute Wahl für den Abschluss des Tages.




