Mt. Unzen – es brodelt [08.10.2015]

Der Morgen im Ryokan begann mit einem kulinarischen Highlight. 3 Japan Besuche hat es gedauert, um endlich ein japanisches Frühstück zu genießen. Und was für eines… Herausfordernd (technisch wie kulinarisch) und köstlich zugleich. So konnte der Tag beginnen!
Heute sollte es auf den Mt. Unzen, einen der aktivsten und gefährlichsten Vulkane der Erde gehen. Die letzte aktive Periode war zwischen Anfang, Mitte der 90er Jahre und endete mit einem Ausbruch 1995, der das Landschaftsbild in der Gipfelregion massiv veränderte und trotz Evakuierung der Bevölkerung dennoch über 50 Menschen das Leben kostete. Eben diesen Mt. Unzen, dessen unbekannte Magmakammer für die unzähligen heißen Quellen in und um Obama verantwortlich ist. Für Japan typisch geht es in die Gipfelregion mit einer (eher untypischen sehr alten, wackeligen – aber man weiß ja nicht wie lange sie noch fahren kann) Seilbahn. Die Aussicht auf die Umgebung und das angrenzende Meer ist beeindruckend. Anhand der Landschaftsformen wird einem durchaus bewusst, dass Japan unzählige Vulkane besitzt und diese über Jahrtausende die Topologie dieses Landes geschaffen haben und auch zukünftig schaffen werden! Man hat durchaus Respekt vor der Natur….
Bevor es aber auf den Gipfel ging lag der gleichnamige, bereits im Winterschlaf liegende „Kurort“ Unzen auf dem Weg. Der Ort „kocht“ – ähnlich wie Obama – förmlich. Überall steigen die Gase und heißen Wasser an die Erdoberfläche. Ein schwefeliger Geruch liegt dauernd in der Luft. So heiß, dass der gern gesehene Tourist (hauptsächlich Japaner selbst) Eier in den Läden und Ständen erstehen und diese über den Erdöffnungen, zur Freude der anderen Teilnehmer der Reisegruppe, kochen und anschließend verzehren kann. Beängstigend, wie aber auch hier der Mensch Raubbau an der Natur betreibt, indem er durch unzählige Leitungen das Wasser abführt um die hoteleigenen Bäder zu betreiben.
Letztlich klang aber auch dieser Abend – für uns – wieder im Onsen auf der Dachterasse und mit Blick auf die Bucht und den Sonnenuntergang aus. Hierbei zeigte sich, dass dem Japaner der Onsen auch zur intensiven Kommunikation dient. Wir kamen hier mit einem Japaner in ein sehr nettes, längeres Gespräch über unsere Herkunft, die Beweggründe unserer Japan-Reise und die beeindruckende Landschaft. Apropos Kommunikation: Diese fällt bekanntlich nicht immer leicht. Mein Japanisch reicht noch lange nicht für eine annäherend ansatzweise Kommunikation aus und das Englisch – vor allem in der Provinz –  der Einheimischen ist auf einem ähnlichen Niveau. Dennoch zeigt sich immer wieder, wie interessiert Japaner jeglichen Alters an einem sind und die Verständigung  klappt dann meist mit Händen und Füßen. So geschen mit einem älteren Ehepaar im Bus, die uns freundlich noch ein Bonbon anboten, oder auch der alte Hausdame unseres Ryokans, die immer einen Schritt voraus war. Vor allem aber die junge Generation ist (verschüchtert) an einer Kommunikation interessiert und so ruft oft ein kurzes „Hello“ oder auch mal „Where are you from?“ herüber wenn sich die Wege kreuzen. Schade, dass es meist (der Höflichkeit wegen?) nur bei diesem kurzen Austausch bleibt. Es sei denn, man ist ein kleiner, vielleicht zehnjähriger der – als er uns erblickte – sein Kampftraining abrupt pausierte, zum Fenster rannte und uns entgegen rief: „Amerika deska?“ – „iie, doitsu des.“, nein, Deutsche seien wir… Leicht verblüfft der wenigen japanische Worte ging die Kommunikation etwas schleppend hin und her, „woher genau wir kämen“ – aber dann musste der kleine wieder zu seinem Trainer… Wobei neben Amerikanern, wir durchaus auch bereits etwas reserviert für Russen gehalten wurden und alle nach dem „Doitsu“ wieder ihr Lächeln zurückbekamen und sich bedankten und verabschiedeten…

Japan we can again – Anreise nach Obama [06./07.10.2015]

Relativ kurzfristig fiel die Entscheidung eines weiteren Trips ins Land der aufgehenden Sonne… Entsprechend wenig Vorbereitungszeit war vorhanden. Da Japan jedoch kein Neuland war, sollte die Planung eigentlich auch kein größeres Problem bedeuten – sollte…!

Fest stand, es sollte diesmal in den Süden, nach Kyushu, eine der vier Hauptinseln, gehen. Daher war der Flug – außer ein paar Problemen mit der Akzeptanz des Securecodes eines namhaften Kreditkartenanbieters – schnell gebucht. Über Osaka sollte es nach Nagasaki gehen. Wie sich alsbald jedoch herausstellte, war just zum Zeitpunkt der geplanten Ankunft in Nagasaki ein großes Festival angekündigt und die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit drohte mangels freier Hotels schier zu scheitern. Es musste wenige Tage vor dem Abflug (kreativ) umdisponiert werden. So wurde aus einem Tagesausflug, ein 2 Tagesaufenthalt in der Provinz, ein leicht verkürzter Nagsaki-Trip und eine zusätzliche Übernachtung in der größten Stadt der Insel, Fukuoka/Hakata… Na ob das mal gut geht?

Endlich war es  nun soweit und die Lufthansa flog uns mal wieder zuverlässig bis Osaka. Bereitete der anstehende Flughafentransfer vom außerhalb, auf einer künstlichen Insel gelegenen, internationalen Kansai-Airport zum zentrumsnahen Itami-Airport und dem zu erwartende Verkehrskollaps im morgendlichen  Berufsverkehr im Vorfeld sorgen, zeigte sich das (eigentlich gewohnte) Organisaionstalent der Japaner. Koffer direkt am Airport im wartenden Bus verstaut, eingestiegen und Dank des Anschlussfluges für 0¥ in rund 40 Minuten den Flughafen gewechselt.

Auf dem Flug nach Osaka wiederum erwartete uns die gewohnte Freundlichkeit der japanischen Flugbegleiterinnen und doch merkte man ihnen an, dass sie bei (diesen) Inlandsflügen nicht oft europäische Gäste an Bord haben. Schnell wurden die englischen Durchsagen, abgelesen von einem Spickzettel, noch eingebaut.
Durch die, wegen des Festes in Nagasaki, notwendige Umdisposition war nun eine längere Fahrt mit einem Überlandbus (inkl. Umstieg) erforderlich. Selbst das erwies sich trotz Sprach- und Lesebarrieren, dank der Hilfsbereitschaft der Mitreisenden und Busfahrer als überraschend einfach, schnell und komfortabel.
Obama (ja genau, Obama, nicht der „POTUS“ sondern das Dorf 小浜) war unser erstes Ziel das wir am Nachmittag endlich erreichten. Obama, ein verschlafenes Nest in einer noch verschlafeneren Provinz. Immerhin aber, das Tor zu Mt. Unzen und stolz auf seine unzähligen heißen Onsen, den typisch japanischen heißen Quellen/Bädern. Und tatsächlich trat aus allen Öffnungen in den Straßen heißer Dampf empor. Vorallem Abends ein gespenstisches Bild.
Zu Gast waren wir in einem Ryokan, einer typisch japanischen Unterkunft mit all den zu erwartenden Hürden. Gleich am Eingang werden einem die Schuhe abgenommen und man steigt in, für Europäer definitiv viel zu kleine Schlappen (die man im übrigen vor dem Klo gegen andere Klo-Schlappen tauscht), das klassisches Zimmer mit Papierschiebwänden und Tatamimatten ausgestattet. Geschlafen wurde nahezu auf dem Boden, auf einer dünnen Matraze. Gleichwohl, nach einem ausgiebigen Bade im Onsen auf der Dachterasse, nach der anstrengenden Reise war das alles am Ende des Tages egal…