Auf ins „Land der aufgehenden Sonne“ [20.08.2012]

20120822-230449.jpg

Früh morgens ging es zum Beijing Capital International Airport. Der Taxifahrer versuchte in seiner freundlichen Art uns auf dem Weg dorthin noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit zu erklären, was kläglich scheiterte… Vielmehr stieg unser Adrenalin Spiegel durch seinen Fahrstil in der RushHour dramatisch an! 🙂

Nach dem CheckIn auf dem AirChina Flug nach Tokyo-Haneda warteten wir noch auf unseren „Privat-Guide“ Hendrik, der mit seiner Crew ebenfalls auf dem Weg zum Flughafen war, da sein Rückflug nach Warschau auf dem Dienstplan stand…

In diesem Zusammenhang nochmal ein großes Dankeschön für die drei Tage Begleitung in Beijing, dafür das Du dir Zeit für uns genommen hast und vor allem die Unterstützung bei der sprachlichen Barriere botest 🙂

Nach dreieinhalb Stunden Flug erreichten wir Japan! Schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug spürte man die Unterschiede zwischen den beiden Ländern und in der Mentalität… Vor uns standen 5 Flughafen Mitarbeiter und begrüßten uns mit einer tiefen Verbeugung – das hätte wohl keiner erwartet! Durch die Gesundheitskontrolle (die kannten wir ja schon aus China) mittels Wärmebildkamera weiter zum Einreisebeamten der durch sein ebenfalls respektvolles Verhalten einem gleich bei der Einreise zu verstehen gab, willkommen in diesem Land zu sein!

Vom Flughafen ging es mit der Monorail direkt in die City. Die U-Bahn Aufsicht war ebenfalls sehr hilfsbereit und wir fanden einen schnellen Weg in Richtung Akasaka wo unser Hotel lag… Nach den Erfahrungen in Beijing waren wir auf alles erdenkliche in der U-Bahn vorbereitet, was wir vorfanden war das krasse Gegenteil unserer Befürchtung! Überall nahm man auf uns „Fremde“ – dazu noch mit Gepäck – Rücksicht… Eine entspannte Fahrt zum Hotel war das Ergebnis.

Das Hotelzimmer ist nicht sonderlich groß, was für Japan allerdings Standard ist. Zum Schlafen und diese Zeilen tippen reicht es mehr als aus!

Am Abend ging es dann in der Nähe des Hotels in eine Art japanisches Schnellrestaurant. Normalerweise muss man seine Bestellung an einem Automaten aufgeben & bezahlen und der Bedienung am Platz den Coupon übergeben. Das Essen wird frisch zubereitet und serviert. Wir durften allerdings – mangels Lesbarkeit der Schrift am Automaten – ohne großen Aufwand direkt Platz nehmen und unsere Bestellung wurde persönlich aufgenommen. Die meisten Speisekarten in Japan bestehen aus Bildern, somit fällt das auswählen ziemlich leicht. Kalten Tee und Wasser gibt es hier meist umsonst und auch das Essen lies nicht lange auf sich warten.

Plötzlich spürten wir, wie sich sekundenlang der Tisch und die Stühle bewegten… Der Gedanke kam sofort auf: ein Erdbeben! Die Japaner um uns herum ließen sich nichts anmerken und dann war es auch schon vorbei… Man muss wissen, dass in Tokyo die Erde rund 1.500x pro Jahr spürbar bebt! Somit scheint dies für die Einwohner Tokyos nichts ungewöhnliches zu sein, was deren Reaktion erklärt. Später konnten wir anhand der (un)nützlichen iPhone-App „Earthquake“ tatsächlich nachlesen, dass genau zu der Zeit als wir die Bewegungen spürten rund 80km von Tokyo entfernt ein Erdbeben der Stärke 5.0 aufgezeichnet wurde… Also doch keine Einbildung!

20120822-230510.jpg

Die Große Mauer [19.08.2012]

20120822-221742.jpg

Heute stand also der Besuch der „Großen Mauer“ an! Wir hatten uns für eine private Tour und gegen den großen Touristenbus entschieden. Auch um nicht mit den tausenden von Touristen in Reihe die Mauer bei Badaling zu erkunden…

Um 8 Uhr wurden wir von unserem chinesischen Fahrer und englischsprachigen Guide am Hotel abgeholt. Die Fahrt zum 140km vom Beijing entfernten Mauerabschnitt von Jinshanling führte uns über den Expressway durch eine wunderschöne grüne Bergwelt, ein krasser Gegensatz zu der Smog belasteten Metropole! Der Mauerabschnitt in Jinshanling wird nur von wenigen Touristen angesteuert und ist entsprechend ruhig und teilweise in einem abenteuerlichen Zustand.

Uns erwartete eine 2 Stunden Wanderung auf der Mauer… Das Wetter war traumhaft, mit reichlich Wasser ausgestattet ging es los. Unser Guide berichtete immer wieder von Besonderheiten & Zweck der Mauer zum Schutze des Reiches vor feindlichen Kriegern. Die Mauer wurde so angelegt, dass es schier unmöglich war sie von außen zu bezwingen – starke, enge Steigungen, Schießscharten etc. sorgten dafür…

Auf unserem anstrengenden Weg begleiteten uns ständig zwei einheimische Bäuerinnen die uns ständig Souvenirs und Wasser anboten. Einmal mit Ihnen ins Gespräch gekommen und auf halben Weg eine Kleinigkeit gekauft, erwiesen sie sich noch als nützliche Helfer… 🙂 Wie kleine Bergziegen sprangen die beiden (eine davon gefühlte 70 Jahre) vor uns die steilen, ausgebrochenen Treppen hinauf um uns dann auf den letzten Stufen zu stützen oder hoch zuziehen. Respekt!

Bei einer Wanderung auf der Mauer spürt man quasi die Geschichte. Ein sehr beeindruckendes und monumentales Bauwerk…

20120822-221839.jpg

20120822-221820.jpg

20120822-221756.jpg

Am Abend hieß es Abschied nehmen von Beijing. Morgen geht es weiter in Richtung Japan. Hendrik arrangierte kurzfristig eine Zusammenkunft von Bekannten aus Beijing und uns. So konnten wir uns noch ein Bild über die Gastfreundschaft der Chinesen bei einem reichlichen Abendessen an den „Drei Seen“ in Beijings Zentrum, machen. Der Abend und der Aufenthalt in Chinas Hauptstadt fand in der Hotelbar einen schönen Abschluss!

20120822-221851.jpg

Im ICE ans Meer… [18.08.2012]

Der für heute geplante Ausflug ans Meer musste verschoben werden, worüber wir aufgrund des Wetters nicht böse waren. Es regnete und war (neben dem Smog) auch ziemlich neblig…

Unser „Guide“ Hendrik hatte die Idee, mit dem Bullettrain in die Küstenstadt Tianjin zufahren. Also ging es zur Beijing South Station und mit dem Bulletttrain in knapp 35 in die 200km entfernte Stadt. In China ist es üblich in der Empfangshalle bis kurz vor Abfahrt zu warten und dann den Bahnsteig wie am Flughafen über ein Gate zu betreten. Unten wartet dann der Zug auf die Fahrgäste. Zur Überraschung erwartete uns ein dem ICE3 baugleicher Zug… Statt des roten Streifens ins Deutschland ziert diesen „C-Zug“ ein blauer und die Aufschrift „Harmonie“! Mit knapp 300km/h ging es dem Ziel entgegen. Die Hafenstadt Tianjin mit Ihren 9 Millionen Einwohnern.

20120822-130948.jpg

20120822-130958.jpg

Angekommen führen wir mit einem klapprigen Überlandbus nach Binnai ans Meer. Dort entsteht ein kleines „Dubai“. Auch hier werden künstliche Inseln aufgeschüttet, Strand angelegt und luxuriöse Hotels gebaut.

20120822-131020.jpg

Am Abend – zurück in Beijing – ging es zum Essen in die Geisterstrasse, eine Strasse geschmückt mit wunderschönen roten Lampions und vielen Restaurants und Garküchen… Wir entschieden uns zur Einkehr in eine kleine, einfache Lokalität um so richtig aus dem „HotPot“ zu essen. Es wurden uns so allerlei Spezialitäten aufgetischt, die man selbst im heißen Topf gart. Von Tofu über Gemüse und Lamm bis hin zu irgendwelchen komisch zäh schmeckenden Innereien die wie kleine Tintenfische aussahen… Lecker war aber irgendwie alles und so richtig authentisch! 🙂

20120822-131029.jpg

20120822-131038.jpg

20120822-131045.jpg

20120822-131051.jpg

Wandeln auf den Spuren von Cixi – Der Sommerpalast [17.08.2012]

20120822-125122.jpg

Am heutigen Tag befand sich Beijing unter einer riesigen Smog-Glocke. Die Sicht reichte nicht über den nächsten Häuserblock hinaus! Eine drückende Hitze kam hinzu… Grundsätzlich keine schönen Voraussetzungen um den Lieblingsort der Kaiserinwittwe Cixi zu besuchen – den Sommerpalast!

Etwas am Stadtrand von Beijing am Ufer eines Sees gelegen, entkommt man hier tatsächlich der Hitze der Metropole. Man kann sich vorstellen, dass die wunderschöne Parkanlage mit viel Grün und hohen Bäumen für die Kaiser und seine Hofstaat eine beliebte Abwechslung zum monotonen Palast in der Stadt darstellte! Der Garten wurde 1860 nahezu zerstört…

Als Kaiserinwittwe Cixi den Sohn des Prinzen Yi Xuan zum neuen Kaiser und ihn selbst zum Chef der Marine ernannte, bedankte Yi sich indem er den Wiederaufbau der Anlage aus Geldern zum Aufbau der Seestreitkräfte nutzte. Neben einem langen Wandelgang mit bunten Bildern war der Buddha-Tempel auf dem Berg mit Blick über den See sicherlich der Höhepunkt des Sommerpalastes!

Den Ort der Erholung verließen wir diesmal nicht zu Fuß sondern mit einer Rikscha! Günstig und ziemlich schnell ging es zurück zur U-Bahn…

Am Abend erwartete uns Besuch, der kurzfristig angekündigte Tourguide sollte uns die nächsten Tage begleiten!

20120822-125209.jpg

20120822-125150.jpg

20120822-125139.jpg

Tian’anmen Platz & die „Verbotene Stadt“ [16.08.2012]

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel ging es zum nahen Tian’anmen-Platz, vorbei an alten Hutongs, deren Präsenz im modernen Beijing scheinbar nicht mehr erwünscht ist. Hutongs sind die in Beijing ursprünglich verwinkelten Gassen um die sich einfache, einstöckige Häuser mit kleinen Innenhöfen reihen. Kaum vorstellbar, wie Beijing wohl noch vor 10 Jahren ohne die modernen Häuser ausgesehen haben muss. Wahrscheinlich aus Sicht der Stadtplaner zu wenig Wohnraum auf zuviel Fläche!

Am größten Platz der Welt angekommen, waren wir mittendrin im Geschehen und Trubel der tausenden Besucher, hauptsächlich aus dem eigenen Land. Westliche Touristen bilden eher die Ausnahme, was vor allem daran erkennbar war, dass wir hauptsächlich von Kindern neugierig beäugt wurden 🙂 – durchaus gewöhnungsbedürftig…

Der Tian’anmen-Platz – eigentlich Tor des himmlischen Friedens-Platz – wird durch das Mao-Mausoleum unterbrochen. Für Chinesen quasi eine Pflicht sich zwischen 9 & 11 Uhr in die endlos Warteschlange einzureihen und im Eiltempo am aufgebahrten Staatsgründer vorbei geschleust zu werden! Wir verzichteten und umrundeten den Platz einmal. Auf beiden Seiten befinden sich riesige Gebäude, dem ganzen Platz ein monumentales Ganzes gebend. Neben dem „Nationalmusuem“ findet man hier auch die mehrere zehntausend Menschen fassende „Halle des Volkes“ in denen außer Kongressen, Konzerten, Staatsempfängen auch der Volkskongress stattfindet. In der Mitte, ganz in der Nähe des „Tors des himmlischen Friedens“ (Tian’anmen), unter den Augen eines riesigen Mao-Portraits (Links & rechts mit dem Schriftzug: „Lang lebe die Volksrepublik China“ & „Lang lebe die große Einheit der Völker der Welt“), befindet sich das Denkmal, von dessen Stufen die Revolution 1989 Ihren friedlichen Anfang und letztlich durch eingreifen des Militärs den bekannt blutigen Höhepunkt fand. Welch Ironie, ein Platz mit einem solch friedlichen Namen und dieser Historie…

20120822-002041.jpg

Von hier aus ging es direkt zum Kaiserpalast mit seinem einzigartigen Baustil und den schier unendlichen Hallen mit ihren unterschiedlichen Aufgaben, alle stets bewacht von Figuren die den Kaiser schützen, ermahnen, leiten sollen. Faszinierend, welche Bedeutung die Ausrichtung von Gebäuden Toren und Anzahl von angebrachten Schutzgeistern die alten Chinesen für wichtig erachteten… Ausgeglichenheit zwischen Himmel & Erde war immens wichtig! Am sinnbildlichsten sind die Fabelwesen namens „Kong“ am Eingang zum Palast. Jeweils zwei thronen auf beide Seiten der Palastmauer. Die einen achten darauf, dass sich der Kaiser nicht zu weit vom Palast wegbewegte und riefen ihn bei zu langer Abwesenheit zuruck“ und die anderen „sollen den Kaiser leiten, dass er sich nicht zu sehr vom Volk entfernte.

20120822-002148.jpg

20120822-002136.jpg

Ansonsten bildet der Kaiserplast eine monotone, von der Außenwelt abgeschnittene Stadt, deren Leben durch strikte Vorgaben gelenkt wurde. Es ist also nachvollziehbar, dass es viele Kaiser vorzogen, möglichst oft den schöneren und weitläufigeren Sommerpalast zu bewohnen. Eine Ausnahme von der Tristesse bot der Palastgarten, eine grüne und kühle Oase innerhalb der hohen Mauern mit schattigen, alten Bäumen und kleinen Pagoden.

Den Kaiserpalast verlässt man dann wieder durch das Nordtor. Anschließend baut sich der „Kohlehügel“ auf: Eine grüne und vor allem gepflegte Lunge der stickigen Stadt. Das bei dem Bau des Palastgrabens anfallende Erdreich wurde hier zu einem großen Berg aufgeschüttet, bepflanzt und mit schönen Pagoden versehen. Die zum heizen des Palastes benötigte Kohle wurde am Fuße des Hügels gelagert – daher der Name „Kohlehügel“.

20120822-002114.jpg

Nach einem entspannten Spaziergang durch das Grün der Stadt ging es über die große Einkaufsstraße „Wangfujing“ mit ihren riesigen Shoppingmalls, kleinen Teegschäften, grellen Leuchtreklamen und einem Abstecher durch die Snackstreet mit ihren ausgefallenen Speisen und Gerüchen zurück zum Hotel.

20120822-002203.jpg