Tian’anmen Platz & die „Verbotene Stadt“ [16.08.2012]

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel ging es zum nahen Tian’anmen-Platz, vorbei an alten Hutongs, deren Präsenz im modernen Beijing scheinbar nicht mehr erwünscht ist. Hutongs sind die in Beijing ursprünglich verwinkelten Gassen um die sich einfache, einstöckige Häuser mit kleinen Innenhöfen reihen. Kaum vorstellbar, wie Beijing wohl noch vor 10 Jahren ohne die modernen Häuser ausgesehen haben muss. Wahrscheinlich aus Sicht der Stadtplaner zu wenig Wohnraum auf zuviel Fläche!

Am größten Platz der Welt angekommen, waren wir mittendrin im Geschehen und Trubel der tausenden Besucher, hauptsächlich aus dem eigenen Land. Westliche Touristen bilden eher die Ausnahme, was vor allem daran erkennbar war, dass wir hauptsächlich von Kindern neugierig beäugt wurden 🙂 – durchaus gewöhnungsbedürftig…

Der Tian’anmen-Platz – eigentlich Tor des himmlischen Friedens-Platz – wird durch das Mao-Mausoleum unterbrochen. Für Chinesen quasi eine Pflicht sich zwischen 9 & 11 Uhr in die endlos Warteschlange einzureihen und im Eiltempo am aufgebahrten Staatsgründer vorbei geschleust zu werden! Wir verzichteten und umrundeten den Platz einmal. Auf beiden Seiten befinden sich riesige Gebäude, dem ganzen Platz ein monumentales Ganzes gebend. Neben dem „Nationalmusuem“ findet man hier auch die mehrere zehntausend Menschen fassende „Halle des Volkes“ in denen außer Kongressen, Konzerten, Staatsempfängen auch der Volkskongress stattfindet. In der Mitte, ganz in der Nähe des „Tors des himmlischen Friedens“ (Tian’anmen), unter den Augen eines riesigen Mao-Portraits (Links & rechts mit dem Schriftzug: „Lang lebe die Volksrepublik China“ & „Lang lebe die große Einheit der Völker der Welt“), befindet sich das Denkmal, von dessen Stufen die Revolution 1989 Ihren friedlichen Anfang und letztlich durch eingreifen des Militärs den bekannt blutigen Höhepunkt fand. Welch Ironie, ein Platz mit einem solch friedlichen Namen und dieser Historie…

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Von hier aus ging es direkt zum Kaiserpalast mit seinem einzigartigen Baustil und den schier unendlichen Hallen mit ihren unterschiedlichen Aufgaben, alle stets bewacht von Figuren die den Kaiser schützen, ermahnen, leiten sollen. Faszinierend, welche Bedeutung die Ausrichtung von Gebäuden Toren und Anzahl von angebrachten Schutzgeistern die alten Chinesen für wichtig erachteten… Ausgeglichenheit zwischen Himmel & Erde war immens wichtig! Am sinnbildlichsten sind die Fabelwesen namens „Kong“ am Eingang zum Palast. Jeweils zwei thronen auf beide Seiten der Palastmauer. Die einen achten darauf, dass sich der Kaiser nicht zu weit vom Palast wegbewegte und riefen ihn bei zu langer Abwesenheit zuruck“ und die anderen „sollen den Kaiser leiten, dass er sich nicht zu sehr vom Volk entfernte.

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Ansonsten bildet der Kaiserplast eine monotone, von der Außenwelt abgeschnittene Stadt, deren Leben durch strikte Vorgaben gelenkt wurde. Es ist also nachvollziehbar, dass es viele Kaiser vorzogen, möglichst oft den schöneren und weitläufigeren Sommerpalast zu bewohnen. Eine Ausnahme von der Tristesse bot der Palastgarten, eine grüne und kühle Oase innerhalb der hohen Mauern mit schattigen, alten Bäumen und kleinen Pagoden.

Den Kaiserpalast verlässt man dann wieder durch das Nordtor. Anschließend baut sich der „Kohlehügel“ auf: Eine grüne und vor allem gepflegte Lunge der stickigen Stadt. Das bei dem Bau des Palastgrabens anfallende Erdreich wurde hier zu einem großen Berg aufgeschüttet, bepflanzt und mit schönen Pagoden versehen. Die zum heizen des Palastes benötigte Kohle wurde am Fuße des Hügels gelagert – daher der Name „Kohlehügel“.

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Nach einem entspannten Spaziergang durch das Grün der Stadt ging es über die große Einkaufsstraße „Wangfujing“ mit ihren riesigen Shoppingmalls, kleinen Teegschäften, grellen Leuchtreklamen und einem Abstecher durch die Snackstreet mit ihren ausgefallenen Speisen und Gerüchen zurück zum Hotel.

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